Vorgeschichte

Noma-Hilfe Schweiz:
Eine Appenzellerin in Ouagadougou

Vor fast zwei Jahren erhielt unser Rotary Club Appenzell eine Spendenanfrage von Noma-Hilfe-Schweiz. Der Flyer lag mit der Spendenanfrage während unserer Vorstandssitzung auf dem Tisch. Ich sah die Fotos der entstellten Gesichter und ertappte mich dabei, wie ich mir im Kopf schon die korrektiven Operationen vorstellte.

Ich war 20 Jahre als Technische Operationsassistentin tätig und arbeitete hauptsächlich im Bereich der Hals- Nasen- Ohren- und Gesichtschirurgie. Wir haben im Kantonsspital St.Gallen keine Noma-Kinder operiert, aber die Tumorchirurgie oder grossflächige Verletzungen des Gesichts stellen die plastischen Chirurgen vor die gleichen chirurgischen Probleme: woher das Gewebe nehmen, um die Defekte ästhetisch schön zu verschliessen?
Und plötzlich wusste ich, dass ich mich genau hier mit meinem Wissen und meinem Netzwerk engagieren möchte. Der Clubvorstand gab mir freie Hand das Projekt weiterzuverfolgen. Wenige Tage später telefonierte ich mit Claude Junker und stellte ihm die Frage, ob Noma-Hilfe-Schweiz interessiert wäre, mit mir Teams für Einsätze aufzubauen.

Und damit begann mein Einsatz für die Noma-Opfer. Im November 2013 war es endlich so weit. Ich durfte an einer Mission der Westschweizer teilnehmen. Zwei OP-Teams von Genf arbeiteten mit den Hilfsorganisationen Sentinelles und Essemble pour Eux zusammen. Das perfekte Zusammenspiel der diversen Akteure hat mich tief beeindruckt. Die vielen kleinen und auch grossen Patienten wurden professionell und effizient vor- und nachbetreut.
Schon in ihren Dörfern in der Sahelzone werden sie durch ausgebildetes Personal erfasst, fotografiert, untersucht, mit Material (Zahnbürste etc.) und Esswaren ausgerüstet und versorgt. Die ausgewählten Patienten werden vor Beginn der Mission zum Einsatzort transferiert. Viele der kleinen Patienten gehen ohne Eltern mit lokalen Pflegefachleuten auf eine lange Reise. Was mag nur in ihren Köpfen vor sich gehen?

Nach zwei Tagen schon war ich wieder in meinem ehemaligen Beruf im OP im Einsatz. In einem Saal wurde auf zwei Tischen gleichzeitig operiert. Sehr effizient und angenehm für die Operateure, da sie sich immer wieder auch kurzfristig beraten und austauschen konnten. Diese Art der Chirurgie braucht viel Erfahrung, manuelles Geschick und Flexibilität. Jeder Fall ist anders. Kleinere äussere Defekte täuschen vielleicht darüber hinweg, wie vernarbt und damit auch dysfunktional die Schleimhaut und die Mundmuskulatur trotzdem geschädigt sind.
Durch vorbereitende Physiotherapie wird versucht, die starre Vernarbung zu verhindern oder wenn möglich etwas zu lösen. Eines der grossen Probleme der Krankheit ist die Kiefersperre. Das Gebiss bleibt durch die komplette Vernarbung der Muskulatur geschlossen. Die Kinder können sich nur noch flüssig oder püriert ernähren.

Anderen Kindern fehlen so grosse Teile des Gesichts, dass die Eingriffe bei ihnen die Möglichkeiten vor Ort übersteigen. Die schwierigsten Fälle werden nach Genf transferiert und am Universitätsspital operiert. Wie schön zu sehen, dass auch zu Zeiten der Fallpauschalen gewisse Spitäler nicht nur den Return on Investment im Auge haben!

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Beteiligten für Ihren Einsatz herzlich bedanken. Dabei weiss ich kaum, wo ich anfangen soll:
Claude Junker, Noma-Hilfe-Schweiz – unermüdlich auf der Suche nach Einsatzmöglichkeiten. Sylviane Collomb, Essemble pour Eux – hat mich unkompliziert und herzlich mit- und aufgenommen. Zudem war sie es, die mir den Schatz von Persis in Ouahigouya gezeigt hat. Sylvie von Sentinell Burkina Faso, die mir auch die Türen geöffnet und mit Geduld zugehört hat. Wir würden uns über eine weitere gute Zusammenarbeit sehr freuen. Alle meine Arbeits- und Wohnkolleginnen und Kollegen von Essemble pour Eux, Sentinelles, Noma Physio etc. etc., die mich in ihre Mitte aufnahmen und meine sprachlichen Unzulänglichkeiten mit grosser Geduld ertrugen. Viele von ihnen stellten sich gleich für unsere weiteren Missionen zur Verfügung. Ihr seid einfach Hammer!

So unglaublich viele tolle Menschen haben mich unterstützt und es ist mir eine Ehre weiterhin an unserem grossen Ziel zu arbeiten: Weitere Missionen in Burkina Faso, Niger, Mali zu ermöglichen. Wir sind mit Volldampf am Planen und viele Teams stehen bereit. Bitte ermöglichen Sie uns mit ihren Spenden weiteren Kindern zu helfen. Ihr Lächeln ist die wertvollste Währung der Welt! Danke.

Astrid Bergundthal